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Das Kegeln

Du nimmst die Kugel, alle Neune
dies sind des Keglers große Träume
sie alle wieder abzuräumen
und dabei keinen zu versäumen

Die Kegel stehen weit da vorn
und du bekommst so manchen Zorn
wenn sie nicht fallen wie du willst
damit deinen Kegelhunger stillst

Wieso bleiben sie denn wieder stehen?
wie muß man denn die Kugel drehen?
damit es vorne blinkt und kracht
um dann zu sagen: Spaß gemacht

 

Gerhard Ledwina(*1949)

 

Das Kegeln ist dem Erzählen nach in Goldbach fast ebenso alt wie der Sportverein selbst, war aber anfangs Jahrzehnte lang nur amüsantes Beiwerk der Geselligkeit in Nachbarschaft verschiedener Lokalitäten von Goldbach. So sind in der Hauptstraße insgesamt mindestens zwei privat betriebene Einbahn-Kegelanlagen sicher verbürgt. Erstere in den 50-er Jahren im Hinterhof der ehemaligen Gaststätte von Hugo Cott, der späteren Schulküche, an das Pfarrgrundstück angrenzend, wo die alternde Fachwerksubstanz dafür sorgte, dass mitunter die Kugeln durch die Rückwand verschwanden und spaßeshalber schon mal durch steinharte Rotwurstblasen ersetzt wurden. Die zweite war an die Gaststätte des ehemaligen Lindenhofes unter Walter Cott, später Bruno & Yvonne Birnstiel, angeschlossen und befand sich in Höhe der Bühne des heutigen Saales der Dorfschänke.
Dort tummelten sich in den 60-er Jahren Kegelclubs, die teilweise bis heute noch bestehen. Interessanter Weise war dort, wegen des langen Weges über den Hof, eine Klingelleitung von der Kegelbahn bis zur Theke installiert worden, mit der per Signal die nächste Runde bestellt werden konnte. Mit der Zeit ergab sich dann ein zahlenmäßiges Wachstum der Kegelabteilung, vor allem auch auf Grund der Tatsache, dass sich nicht alle Handballer den Wechsel vom Groß- zum Kleinfeldhandball auf Dauer zumuten, aber weiter sportlich aktiv sein wollten. Aus dieser Zeit stammt auch der viel zitierte Spruch:„Aus einem ordentlichen Handballer wird allemal noch ein passabler Kegler!“. Das Gefühl für das Runde war ja schon vorhanden. Damit begann man auch die Bemühungen um das Kegeln als Wettkampfsport zu verstärken, wobei ein Wettkampf bei 6-er-Teams immerhin einen ganzen Tag andauerte. Gründe Genug, um ein neues Etablissement zu suchen, das mit einem nicht mehr genutzten Hühnerstall in der Bornklinge schnell gefunden war. Mit Unterstützung der Gemeinde konnte dort 1972 die bis heute bestehende Zweibahnen-Asphaltanlage eingeweiht werden, was die Zeitdauer der Wettkämpfe halbierte. Bis 1985, als die erste automatische Aufstellanlage eingebaut wurde, mussten aber noch einige Aufsteller den herumfliegenden Kegeln aus dem Weg springen.


Im Laufe der Zeit wurden viele Modernisierungen und Umbauten zumeist von den Keglern in Eigenleistung erbracht, z.B. für Sanitäranlage, Umkleideraum, Heizung und den neuen Kunststoff-Kegelbelag. Ab 1996 brauchte mittels Druckern auch nicht mehr jedes Wurfergebnis mitgeschrieben werden. Allergrößtes Geschick bewies man 1998, als auf der kompletten Bahnlänge das Dach um einen halben Meter auf normale Deckenhöhe angehoben und Baustabilität sowie Wärmedämmung verbessert wurden. Ihr Schmuckstück zum Anlass nehmend, organisierten nun auch die Kegler ab und an Dorffeste in Festzelten auf der nebenliegenden Grünfläche. Sportlich waren in der Anfangszeit Willi Beck, Karl Kraft, Kurt Möller, Paul Martmer, Kurt Aurich, Kurt Cott, Horst Wolf, Kurt Nennstiel und Wilfried „Pille“ Pillatzke die Kegler der ersten Stunde. Etwa ab 1975 bestimmte dann vor allem Günter Guldenschuh Jahrzehnte lang das Niveau, im Team ergänzt durch Wilfried Hahn, Ernst Walter, Klaus Kirst, Heinz Erbach und den gefürchteten „Drei Frechern“ Roland, Günter und Lothar! Aber der große Mannschaftstitel wollte nicht gelingen.

 

Die 90-er brachten mit der Verjüngung der ersten Mannschaft eine Berg- und Talfahrt, die den zweimaligen Abstieg zu Folge hatte. Bis 2005 hatte man sich dann mit Henry Cyranka, Michael Buchmann, Rüdiger Kley, Siegmar Frech, Jens Jaster und Michael Bachmann endgültig zu der schlagkräftigen Truppe zusammengefunden, die nach 33 Jahren vergeblicher Mühe in glanzvoller Manier erstmals den Kreismannschaftsmeistertitel nach Goldbach holen konnte. Zusammen mit Patrick Triebel, dessen Jugend-Team ungeschlagen Staffelsieger wurde, krönte man 2006 die beste Saison aller Zeiten dann zusätzlich noch mit dem Aufstieg in die Landesklasse von Thüringen! In Einzelwettbewerben gab es nach dem frühen Titel von Günter Guldenschuh 1979 ab 1999 öfter Grund zum Jubeln. So 2002, als sensationell gleich drei von vier Kreismeistertiteln mit Kirst, Guldenschuh und Bachmann an Goldbach gingen. Noch höher schafften es Günter Guldenschuh schon 2000, als Landesmeister von Thüringen bis fast ins Finale der Deutschen Meisterschaft und Michael Bachmann 2002 mit dem 3. Platz bei der Landeseinzelmeisterschaft.